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Palästinensische Feuerwehr in Bergisch Gladbach

04.07.2012

Von Fabian Felder
http://in-gl.de/2012/07/04/palastinensische-feuerwehr-in-bergisch-gladbach/

Am Dienstag gab es hohen Besuch in der Bergisch Gladbacher Feuerwache: Der Chef der palästinensischen Freiwilligen Feuerwehr, Ibrahim Ayesh, war zu Gast auf der Wache, um sich über die Arbeit und den Aufbau der Feuerwehr zu informieren. Die Reisefinanzierung wurde durch den Städtepartnerschaftsverein Bergisch Gladbach – Beit Jala e.V. unterstützt. Aufgrund des Besuchs wurde sogar ein Auto geopfert – für eine Vorführung.

Seit einem Jahr ist Ibrahim Ayesh Chef der Freiwilligen Feuerwehr in (ganz) Palästina und für deren Aufbau verantwortlich. Vor dieser Aufgabe war er lange Zeit Leiter der Feuerwehr in Bethlehem, nun wurde er mit einer neuen Aufgabe betraut. Er und sein Dolmetscher Samir Baboun sind für einen Tag zu Besuch in Bergisch Gladbach.

Und das hat sogar etwas mit unserer Partnerstadt Beit Jala zu tun: „Da die Feuerwehr in Bethlehem auch für Beit Jala zuständig ist, dachten wir, dass man dann auch die deutsche Partnerstadt besuchen könnte“, übersetzte Samir Baboun. Denn eigentlich wohnten die beiden für ihren einwöchigen Deutschlandaufenthalt in Köln.

Ich saß zusammen mit Einsatzleiter Bernd Schader, dem Leiter der Gladbacher Feuerwehr Jörg Huppatz, dem Städtepartnerschaftsvorsitzenden Axel Becker und unseren palästinensischen Freunden zusammen, und erfuhr so manches über die Arbeit der Feuerwehr in Bethlehem und die Situation vor Ort.

Demnach arbeiten rund 60 hauptamtliche Feuerwehrleute in Bethlehem, die auf zwei Wachen in drei Schichten arbeiten: 15 Mann in Bethlehem direkt und 5 in Beit Sahour, einer Stadt von der Größe Beit Jalas etwas außerhalb. Die Haupteinsatzgründe seien Brandeinsätze, so Baboun, hier mal ein Feldbrand und dort mal ein zu trockener Busch, der Feuer gefangen hat.

Dabei erschweren die israelische Trennmauer und vielen Sperranlagen die Arbeit der Rettungskräfte maßgeblich, weil einfach zu viel Zeit verloren ginge. Das Hauptproblem, erklärte Herr Ayesh, sei, dass die Ausrüstung vor Ort zum Teil sehr schlecht oder gar nicht vorhanden ist.

Köln habe bereits drei Spezialwerkzeuge zur Verfügung gestellt, es reiche jedoch nicht aus. Einsatzwagen werden benötigt, laut israelischem und palästinensischem Recht dürfen allerdings keine Wagen eingeführt werden, die älter sind als 5 Jahre. Hier müsse eine Lösung gefunden werden.

Nach einem interessanten Gespräch, begleitete ich die Männer auf den Hof der Feuerwache, wo ein ausgemusterter PKW stand. Es folgte eine Vorführung eines Einsatzszenarios zur Rettung einer eingeklemmten Person nach einem Unfall. Die Jungs der Gladbacher Feuerwehr rückten in voller Montur und mit schwerem Gerät an, um das imaginäre Opfer aus dem Wrack zu befreien. Während der Demonstration kommentierten Schader und Huppatz das Geschehen, Herr Baboun übersetzte simultan.

Auf die Frage nach der Finanzierung der Feuerwehr und der Gehälter, erklärte Herr Ayesh, dass die Feuerwehr in Sachen Finanzierung und Unterstützung dem Innenministerium der Palästinensischen Autonomiebehörde (PNA) unterstehe und weltweite Unterstützer habe. Je nach Rang und Tätigkeit verdiene man bei der Feuerwehr umgerechnet zwischen 300 und 1.500 Euro im Monat. In der Finanzierung sei man weitestgehend unabhängig vom Staat Israel. Ganz anders bei der Wasserversorgung:

„Israel kontrolliert das Wasser. Das ist so.“

Dabei liefert Israel das Wasser an die PNA und diese leitet es dann an die Gemeinden und Städte. Gerade in den Sommermonaten sei Wassermangel sehr gravierend, da logischerweise in den heißen Monaten die meisten Einsätze zur Brandbekämpfung stattfinden. „Die Wassersituation ist sehr kompliziert“, bestätigte Baboun. „Wir könnten schon mehr gebrauchen“.

Der Wunsch beider Männer sei es, dass die palästinensische Feuerwehr sich in der Zukunft bis zu einem internationalen Niveau entwickelt, um die Einwohner in Palästina besser zu unterstützen. Die dauerhafte Kooperation der Städte Bergisch Gladbach – Beit Jala und Bethlehem – Köln kann dieses Ziel fördern und stärken.

Zum Ausklang folgte noch ein Rundgang in der Feuerwache, geleitet von Bernd Schader. Unter anderem wurde der Aufbau eines Löschfahrzeuges erläutert und Informationen zu Lieferanten, Normen, Teilbeschaffung und Ausrüstung gegeben. Später am Nachmittag stand noch ein Treffen mit Bürgermeister Lutz Urbach auf dem Plan.

Für mich ging es nach dem Besuch auf der Wache um 17 Uhr zur Stadtratssitzung nach Bensberg. Vielleicht haben Sie es schon der Tagespresse entnommen: Der Rat hat einstimmig einer Städtepartnerschaft mit der israelischen Stadt Ganey Tikva (bei Tel Aviv) zugestimmt. Dieser Umstand ermöglicht es nun, eine trilaterale Freundschaft aufzubauen, und somit Brücken statt Mauern für den Frieden zu schaffen.