Projekte

Die Klassenfahrt der Besonderen Art

18.10.2010

Von Dominic
Bilder der Klassenfahrt 2010 in-gl.de/2010/10/18/kursfahrt-beit-jala/

Wir, der Erdkunde Leistungskurs des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums, haben als Ziel unserer Abschlussfahrt die neue Partnerstadt von Bergisch Gladbach Beit Jala gewählt. Zu Beginn der 12 vor einem Jahr mussten wir uns entscheiden, wo wir denn in der 13 hinwollen. Unser Lehrer Herr Ziffus, der auch im Stadtrat tätig ist, machte uns aufmerksam auf die entstehende Partnerschaft, so dass wir als Kurs schnell mit dem Ziel Beit Jala einverstanden war S-Bahn, Flugzeug, Bus: 36 Stunden nach Beit Jala

Der Weg bis zur Abreise war jedoch schwerer als gedacht, da die Schulleitung und Eltern überzeugt werden mussten. Fördermittel brauchten wir auch, um die Reise finanzieren zu können. Eltern und Schulleitung waren noch die einfachsten Aufgaben, aber Fördermittel wurden uns erst ermöglicht als wir noch 11er mitgenommen haben. Die 11er mussten mit, da wir mindestens 12 Schüler sein mussten, um einen Zuschuss vom Land NRW zu bekommen.

Unsere Reise begann am 30.9.2010 um viertel nach acht am S-Bahnhof in Bergisch Gladbach, um zum Flughafen Düsseldorf zu fahren. Der Weg in Heilige Land führte uns zuerst über Riga (Lettland) und danach direkt nach Tel Aviv. Wir landeten um halb eins nachts und mussten bis fünf warten bis unser Bus nach Beit Jala kam. Bevor wir nach Beit Jala fuhren stoppten wir noch in Tel Aviv City bzw. im alten Jaffa.

Vom alten Jaffa waren es 10 Minuten Fußmarsch zum Strand und um 7 Uhr morgens ist überraschend warm im Mittelmeer und unter der israelischen Sonne. Vom Strand aus besuchten wir noch die Heinrich-Böll-Stiftung in Tel Aviv, die sich den Problemen der Palästinensern und Israelis annahm. Jetzt ging es endlich ab nach Beit Jala in unsere Herberge „Abrahams Herberge“.

Beit Jala liegt östlich von Jerusalem und ist der höchste Punkt in der Region Bethlehem (758m ü. NN.). Beit Jala gehört zu Zone A der palästinensischen Autonomiegebiete. Israelis ist es verboten sich in Zone A und B aufzuhalten. Es gibt noch die Zone C, welche durch Israelis besetzt ist und kontrolliert wird. In diese Zone dürfen Palästinenser mit palästinensischem Pass nicht ohne weitere Maßnahmen rein. Zur Zone C gehört z.B. Ostjerusalem. Ungefähr 28 % sind Zone A und B und 72 % sind Zone C. Von der Zone C werden noch ca. 58 % durch die Mauer abgeschnitten und Israelis besetzt. Auf diesen Gebieten entstehen oft jüdische illegale Siedlungen.

Erdkunde I: Zonen A, B, C – und viele Checkpoints

Wir mussten also durch Zone C fahren, um zum Checkpoint zu fahren, der ins Kerngebiet führte. Dieser Checkpoint führt nur nach Palästina rein, aber für Touristen nicht wieder raus. Der Checkpoint sieht aus wie eine Mautstelle in Frankreich. Der einzige Checkpoint für Touristen aus der Zone heraus befand sich westlich von Bethlehem, wo man aussteigen muss und durch die einzelnen Kontrollen durchgehen musste (Passkontrolle 1, Metalldetektor und Röntgenscan, Passkontrolle 2).

Vom Checkpoint bis zu unserem Hotel waren es ca. 10 Minuten mit dem Bus. Angekommen in unserem Hotel/Hostel wurden uns die Zimmer zugeteilt. Alle Jungen(10) in ein Zimmer und die Mädchen (4) ins andere. Die Lehrer bekamen ihre eigenen Zimmer. Nach kurzem einrichten im Zimmer trafen wir den palästinensischen Pfarrer Skihade, der uns ein bisschen über Beit Jala erzählte und den Wunsch der Palästinenser nach Frieden erläuterte. Skihade’s Überzeugung ist: Das Wohl des einen Volkes hängt mit Wohl des Anderen zusammen. Gemeint sind hier Israel und Palästina. Danach ging unser Tag nun endlich zu Ende nach mehr als 36 Stunden ohne vernünftigen Schlaf.

Geschichte intensiv: Yad Vashem und Via Dolorosa

Die folgenden Tage haben wir uns Jerusalem angeguckt. Am Sonntag sind wir durch Beit Jala gelaufen in Richtung Bethlehem. Beit Jala’s „Zentrum“ ist nur fünf Minuten zu Fuß von unserer Herberge entfernt. Im „Zentrum“ gibt es zwei Banken, Polizei, Rathaus und kleine Märkte. Wenn man größer einkaufen möchte muss man Richtung Bethlehem gehen dort gibt es noch einen großen Supermarkt in der Größe etwa wie der Edeka in Bensberg.

Montag und Dienstag waren wir noch mal in Jerusalem. Am Montag haben wir uns dort Yad Vashem angeguckt, die Gedenkstätte an den Holocaust. Nachmittags haben wir uns die Schmid-Schule in Ostjerusalem angeguckt, welche durch einen ehemaligen Lehrer vom Otto-Hahn-Gymnasium, Herr Schmitz, unterstützt wird. Die Schule ist eine reine Mädchenschule für palästinensische Mädchen. An dieser Schule haben die Mädchen die Möglichkeit das deutsche oder palästinensische Abitur zu machen.

Dienstags sind wir den Leidensweg Jesu, die Via Dolorosa, abgegangen und haben uns die Grabeskirche angeguckt. Unser Führer war übrigens der Lehrer der deutschen Schule, die wir am nächsten Tag besucht haben.

Physik auf Arabisch

Am Mittwoch haben wir uns zuerst eine ziemlich kleine, das heißt mit circa 400 Schüler, Schule in Beit Jala angeguckt. In dieser Schule hatten wir auch die Chance eine Schulstunde zu besuchen. In dieser Schule konnte man auch Deutsch lernen, aber aktuell nur das palästinensische Abitur machen.Die Schülerschaft besteht aus Jungen und Mädchen, welche christlich oder muslimisch gläubig sind.

Ich hab mir eine Physikstunde auf Arabisch angesehen und natürlich nichts verstanden, aber der Stoff ist der gleiche wie in Deutschland. Ich war in einer elften Klasse und diese behandelten dasselbe, wie damals ich in der elften.

Erdkunde II: Wem gehört das Wasser?

Der nächste Termin führte uns zum stellv. Bürgermeister Beit Jalas. Er und zwei Ingenieure erläuterten uns Probleme der israelischen Besatzung in Bezug auf Trinkwasser. Unter der Westbank, also Palästina, gibt es vier große Trinkwassersphären und alle werden durch das israelische Militär verwaltet. Die Sphären liegen etwas 400m unter der Erdoberfläche. Die oberste Schicht, welche die beste Wasserqualität besitzt, nutzen die Israelis und die Schicht über dem Boden der Sphäre, welche die schlechteste Qualität besitzt, müssen die Palästinenser nutzen. Zudem wird der Wasserzufluss des Jordans auch durch das Militär besetzt und für Palästinenser unzugänglich.

Das Dreisteste meiner Meinung nach ist aber, dass die Palästinenser ihr „eigenes“ Wasser (das Wasser aus den Sphären) kaufen müssen, um zu überleben. Ein Haushalt kriegt nur 16l pro Tag! Deshalb gibt es auf den Dächern auch immer Zisternen, um weiteres Wasser zu sammeln. Der stellv. Bürgermeister hat uns klargemacht, dass die Palästinenser gewillt sind Frieden zu schließen, aber die Israelis sabotieren deren Wünsche in dem sie z.B. neue Siedlungen auf palästinensischen Boden bauen.

Am Ende unseres Besuches durften wir noch ein original arabischen Kaffee trinken, welcher wirklich klasse schmeckte. Die arabische Gastfreundlichkeit ist wirklich unschlagbar. Zum Abschied erhielten wir noch einen Holzanhänger mit dem Siegel Beit Jalas drauf.

Eine deutsche Schule in Palästina

Der letzte Termin führte uns nochmal in die Talita Kumi Schule am Rande von Beit Jala. Die Talita Kumi Schule ist die größte deutsche Schule in Palästina mit ca. 900 Schülern. Die Talita Kumi ist der einzige Ort, wo sich Israelis und Palästinenser treffen können, denn die Talita Kumi Schule ist Zone C und liegt noch vorm Checkpoint, d.h. man muss durch keine Passkontrolle durch. Das besondere unter anderem ist, dass es dort auch eine Berufsschule gibt. In Palästina gibt es so etwas nicht wie in Deutschland. Dort lernt man seinen Beruf nur im Betrieb.

Am Donnerstag war unsere Reise auch schon fast zu Ende. Wir besuchten noch Masada (eine alte Bergfestung überm Toten Meer), En Gedi (Oase am Toten Meer) und das Tote Meer selbst. Die Gegend am Toten Meer ist wirklich unbeschreiblich faszinierend. Es lohnt sich auf jeden Fall diese Orte zu besuchen! Nach einem Bad im Toten Meer ging‘s auch schon Richtung Tel Aviv zum Flughafen.

Erst vor Ort kann man den Konflikt verstehen

Mein Fazit von der Reise ist sehr positiv und ich werde bestimmt noch mal in die Region reisen. Ich empfehle jedem nach Israel und vor allem nach Palästina zu reisen. Erst wenn man selbst da war und sich selbst ein Bild gemacht hat, kann man den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern verstehen.

Die Abschlussfahrt war super und ich bedanke mich bei allen die mitgewirkt haben bzw. uns erst die Reise ermöglicht haben. Ich hoffe, dass die Städtepartnerschaft sich gut entwickelt.