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Beit Jala feiert 100. Geburtstag

12.10.2012

Von Fabian Felder
http://in-gl.de/2012/10/12/beit-jala-feiert-100-geburtstag/

Am 20. und 21. September dieses Jahres gab es gleich zwei Gründe zum Feiern in Beit Jala: Die Stadt konnte ihr 100-jähriges Jubiläum und die Eröffnung des neuen Bürgerzentrums am Stadtpark bejubeln.

Bürgermeister und Delegierte aus Aubervilliers (Frankreich), Trento (Italien), Jena (Deutschland) und Bergisch Gladbach waren vertreten. Sie feierten gemeinsam das große Jubiläum. Es waren auch zahlreiche palästinensische Musik- und Tanzgruppen zugegen, die die Anwesenden mit feurigem Temperament und Tänzen begeisterten.

Unsere beiden Delegierten waren bereits lange auf den Beinen, als sie in der Stadt eintrafen: ihr Flieger landete erst um 5 Uhr morgens in Tel Aviv. Von dort aus ging die Reise im Taxi weiter nach Beit Jala. Im Rathaus stand ein Treffen mit Bürgermeister Raji Zeidan auf dem Programm.

„Wir wurden gleich freundlich mit Kaffee und in herzlicher Atmosphäre empfangen“, bemerkt Friedrich Herweg, während ich mir fleißig Notizen mache. Man lernte sich kennen und knüpfte erste Kontakte.

Bürgermeister Lutz Urbach schickte ein Gruß- und Dankeswort mit, das die beiden mit Freude verlasen. Daraufhin erfuhren sie, dass noch am selben Abend ihr Auftritt stattfinden sollte. Trotz Müdigkeit freuten sie sich auf den Abend, denn das Programm versprach ja einiges. Danach stürzten sich Herweg und Heiliger auf Erkundungstour in die Stadt, allerdings ohne Plan, den hatte ihnen niemand mitgegeben. „Es war schon abenteuerlich“, fügt Heiliger schmunzelnd hinzu, „aber wir haben uns gut zurecht gefunden und finden die Stadt wirklich schön“.

Später folgte der Besuch in der Musikschule von Beit Jala. Dort tauschte man sich mit den Leitenden über die Organisation und Struktur der deutschen und palästinensischen Schule aus. Es fanden sogar erste Sondierungen bezüglich einer Zusammenarbeit statt. „Man könnte eventuell eine Zusammenarbeit der Musikgruppen mit einer Begegnusreise der deutschen und palästinensischen Kinder erwägen; das würde den Kontakt maßgeblich festigen“, spekuliert Herweg. Die Idee klingt gut.

Die große Feier am Abend bahnte sich an und alle Gäste fanden sich bei der großen Bühne im Stadtzentrum ein. Es gab sogar einen Ehrengast: Palästinas Ministerpräsident Salam Fayyad beehrte die Stadt mit seiner Anwesenheit und einer anschließenden Festrede. Demnach waren die Sicherheitsvorkehrungen noch einmal höher geschraubt worden als üblich. Ich fragte die beiden an dieser Stelle, mit welchem Gefühl sie zu ihrer ersten Nahost-Reise aufbrachen.

„Wir waren natürlich schon aufgeregt und es war spannend, grade wo diese Mohamed-Geschichte (Film) im Umlauf ist. Aber vor Ort war alles komplett ruhig und es ist nichts Schlimmes passiert.“ (Friedrich Herweg)

„Wenn man reist, fallen diese Gedanken von einem ab.“ (Joseph Heiliger)

Die Tanzgruppe „El Funoun“ perfomte einen unglaublichen Tanz mit viel Gesang und einer mitreißenden Choreografie, berichteten die beiden Musikanten.

„Das Flair ganz Palästinas war in diesem Tanzkonzert zu finden.“ Um 20:45 Uhr waren dann Joseph Heiliger und Friedrich Herweg als „Acordas“ mit ihrem Gitarrenduo an der Reihe, wie man auf dem Foto des Jennaer SPD-Oberbürgermeisters Albrecht Schröter erkennen kann.

Am Freitag besuchte man die Kunstschule in Bethlehem und nochmals die Musikschule in Beit Jala, wo die beiden Musikfreunde auch den Unterricht hospitierten. Abends folgte dann der zweite Teil des großen Konzerts. Diesmal konnten sie jedoch das Spektakel als Zuschauer genießen.

Am Ende unseres Treffens fragte ich noch obligatorisch nach dem Konflikt mit Israel. In der Antwort waren wir drei uns einig: „Der bilaterale Dialog zwischen Israel und Palästina ist das einzig sinnvolle, wobei die Kultur der erste Annäherungspunkt sein kann“, formulierte Friedrich Herweg treffend.

Ich danke meinen beiden Gesprächspartnern und wünsche ihnen alles Gute für die weitere Projekt- und Zusammenarbeit mit den Gruppen aus Beit Jala.